Mehr über Viren
Die Viren in der Medizin sind geschlechtlich neutral: Es heißt also nicht »der Virus«, sondern »das Virus«.
Viren sind besonders kleine Krankheitserreger. Das mag einer der Gründe sein, warum wir vergleichbar wenig von diesen Krankheitserregern wissen. Es gibt unendlich viele unterschiedliche Formen. Gemeinsam ist diesen vielen Arten:- Anders als Bakterien und Pilze sind Viren keine Lebewesen im eigentlichen Sinn, denn sie können sich nicht selbst vermehren, sie brauchen dazu einen »Wirtsorganismus« (also z.B. eine menschliche Zelle), den sie dazu zwingen, das Virus explosionsartig zu vermehren
- und zwar solange, bis die Zelle platzt. Man kann sich vorstellen, dass geplatzte Zellen ihrer Funktion nicht mehr nachkommen können. Das heißt, ist das Virus in die Zelle eingedrungen, hilft kein Medikament mehr, die Zelle ist verloren.
- Mit dem Platzen der Zelle gelangen weitere Viren in den Körper und finden umso schneller ihre Wirtszellen. Wenn ausreichend Wirtszellen auf diese Art beschädigt sind, werden Krankheitszeichen sichtbar.
- Außerhalb der Zelle ist für Viren KEINE Vermehrung möglich – aber viele Viren können lange weiter existieren, bis sie endlich den richtigen Wirt gefunden haben.
Das Virus hat sogenannte »Tentakel« zum Andocken an die Wirtszelle. Das Desinfektionsmittel zerstört diese Tentakel, das Virus kann nicht mehr in die Zelle eindringen. Deshalb spricht man bei Viren nicht von einer Abtötung (Viruzidie), sondern von einer Inaktivierung. Die Tentakel können sich im Laufe einer Infektion verändern (z.B. bei HIV), dann wird z.B. der Impfschutz unwirksam.
Viren sind gegenüber Umwelteinflüssen unterschiedlich stabil und deshalb gegenüber Desinfektionsmitteln unterschiedlich resistent.
Viren sind hochspezialisierte Organismen, nicht alle Viren können jeden Organismus schädigen: Jeder Organismus hat »seine« Viren, die ihn befallen, so z.B. sind »BAKTERIOPHAGEN« die Viren, die Bakterien angreifen, die aber auch gleichzeitig wieder in spezielle Gruppen unterteilt werden müssen, z.B. die »Coliphagen« (gefährlich für Coli-Bakterien) . Dafür sind diese Viren ungefährlich für Menschen. Ein anderes Beispiel sind die »MYKOPHAGEN«, die sich an Pilze heranmachen – und damit ebenfalls ungefährlich für Menschen sind. Verantwortlich für die Gefährlichkeit eines Virus ist sein »Andockmechanismus«, der entweder nur auf eine ganz spezielle Zelle passt (z.B. HBV, Polio) oder der auf unterschiedliche Zellarten /Organismen passt.
Vorbeugen ist besser als Heilen,
vor allem bei Infektionen durch Viren
Prophylaxe (also die Vorsorge) hat im Wesentlichen zwei Säulen:
Impfen und desinfizieren.
Die Impfung hilft dem menschlichen Organismus, eine eventuelle Mikroorganismenattacke abzuwehren, indem man ihm vorher Gelegenheit gibt, die potenziellen Eindringlinge kennen zu lernen und rechtzeitig die richtige Abwehr (Antikörper) aufzubauen.
Desinfektion tötet bzw. inaktiviert Mikroorganismen, um zu verhindern, dass sie überhaupt in den (menschlichen) Organismus eindringen – eine zweifellos sinnvolle Strategie. Vor allem, wenn (wie vorauszusehen) bei einer tatsächlichen Entwicklung von pandemischen Grippeviren wohl über einige Zeit kein Impfstoff zur Verfügung stehen wird. Wie soll man sich und Familienmitglieder dann schützen, wenn einer erkrankt ist? Was tun, wenn man über einige Zeit im selben Raum zusammen mit offensichtlich Betroffenen war, man sich vielleicht sogar per Handschlag verabschiedet hat?
Im medizinischen und pflegerischen Bereich besitzt die Händedesinfektion den höchsten Stellenwert innerhalb der Desinfektionsmaßnahmen. Nur damit kann man vermeiden, dass Mikroorganismen bei pflegerischen Maßnahmen auf die eigenen Hände übernommen und anschließend zu anderen Patienten und Oberflächen übertragen werden oder gar an den eigenen Händen verbleiben.
Nach wie vor sind die Hände der Hauptübertragungsweg bzw. die Hauptübertragungsquelle von Bakterien und Viren. Die Einhaltung der Händehygiene ist deshalb die wichtigste Maßnahme zur Vermeidung der Übertragung von Mikroorganismen. Wann aber sollte eine hygienische Händedesinfektion durchgeführt werden? Unabhängig davon, ob Einmalhandschuhe getragen werden oder nicht, ist in folgenden Fällen eine Händedesinfektion notwendig, um die Verbreitung von Infektionserregern (z.B. Noroviren) zu vermeiden:
- nach jedem Kontakt mit dem Patienten
- nach Berührung der Umwelt des Bewohners oder Patienten (z.B. Bettgestell, Pflegeutensilien, Wäsche)
- nach Kontakt mit eventuell virushaltigem Material (z.B. Stuhl, Erbrochenes)
- nach Reinigung und Desinfektion von Sanitäranlagen (Bad, Dusche,Toiletten)
- nach Reinigung und Desinfektion von Oberflächen (z.B. Fußböden) oder Gegenständen (z.B. Reinigungsutensilien), die sichtbar oder wahrscheinlich mit erregerhaltigem Material (z.B. Stuhl, Erbrochenes) verunreinigt sind oder waren
Empfehlenswert bei der Pflege akut Erkrankter:
- vor der Essenszubereitung
- und vor der Essensausgabe
Die Desinfektion der Hände ist die wichtigste Verhaltensweise, wenn man sich selbst und die Patienten vor einer Infektion bzw. die Umwelt vor einer Kontamination mit gefährlichen Krankheitserregern schützen möchte.
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