Mehr über Desinfektion

Unter einer »Desinfektion« verstehen die Experten das gezielte Eliminieren infektiöser Mikroorganismen durch chemische Substanzen. Von einer »Desinfektion« spricht man erst, wenn die Keime durch das Desinfektionsmittel um 5 Logarithmenstufen (Virusdesinfektion: 4 Logarithmenstufen) reduziert werden. Man kann auch sagen, von »Desinfektion« spricht man, wenn 99,999% (bei Viren: 99,99%) der vorher vorhandenen Keime eliminiert wurden.

Das deutsche Arzneibuch 6 definiert die Desinfektion als Verfahren, einen Gegenstand in einen Zustand zu versetzen, in dem er nicht mehr infizieren kann.
Der Begriff stammt aus der lateinischen Sprache und bedeutet »Wegmachen, (›des‹), was beeinträchtigt (›inficere‹)«.

grippeJahrzehntelang hat man sich in Bezug auf die Desinfektion auf Bakterien und Pilze konzentriert. Die Forschung in Bezug auf die Inaktivierung von Viren ist erst in den letzten Jahren intensiviert worden. Deshalb gibt es dabei auch in der Wissenschaft noch viel Unkenntnis und Unsicherheit – und viel weniger Regeln wie z.B. gegenüber Bakterien.


Influenza Virus. Auch bekannt als »echte Grippe«

Grundsätzlich beurteilt man ein Desinfektionsmittel danach:
  • wie viel man davon braucht, um Mikroorganismen abzutöten (Konzentration)
  • wie lange das Präparat dazu braucht (Einwirkzeit)
Und man sollte natürlich auch darauf achten,
  • wie giftig die chemische Substanz ist, welche Nebenwirkungen die Anwendung haben kann (Human- und Umwelttoxikologie)
  • wie anwendungsfreundlich das Präparat ist (Hautverträglichkeit, Geruch, gleichmäßige Verteilung auf der Haut, korrodierende Wirkung bei Oberflächen…)
  • und nicht zu vergessen: Der Preis (der sich aus der notwendigen Menge errechnet)
Die Qualität von Desinfektionsmitteln bzw. die Kraft, Keime zu eliminieren, wird in wissenschaftlichen Gutachten überprüft. In diesen Gutachten werden die notwendige Menge des Mittels und die Einwirkzeiten festgelegt. Ein wissenschaftliches Gremium (VAH Verbund für angewandte Hygiene e.V.) achtet darauf, dass die Gutachten richtig gemacht werden, die Ergebnisse Gültigkeit haben und publiziert eine Liste, in der jeder die Präparate objektiv miteinander vergleichen kann. Diese Qualitätsdarstellung gibt es derzeit allerdings nur gegenüber Bakterien und Pilzen, nicht gegenüber Viren. Gutachten über die Viruswirksamkeit eines Desinfektionsmittels basieren auf den Methoden der DVV (Deutsche Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten e.V.).

Es gibt:
  • Hände- und Hautdesinfektionsmittel
  • Flächendesinfektionsmittel
  • Instrumentendesinfektionsmittel
  • Wäschedesinfektionsmittel
Der Unterschied besteht vor allem in den chemischen Substanzen: Welche Substanzen man einsetzt, bzw. wie viel davon, hängt zunächst von der Einwirkzeit ab, die man zulässt. Das kann bei der Desinfektion von Flächen eine Stunde sein, sollten aber, wenn es um die Hände geht, nur Sekunden sein.

Die unterschiedliche langen Einwirkzeiten, die Risikostufe des zu desinfizierenden Objekts (Wohnzimmer zu Hause /Operationssaal), vor allem aber die Oberflächenbeschaffenheit des zu desinfizierenden Teils bestimmen den chemischen Wirkstoff, der eingesetzt wird. Man kann den Fußboden mit anderen Substanzen behandeln als die Haut der Hände.

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